Weltweit forschen große und kleine Unternehmen derzeit an neuen Optionen bei der Insulintherapie. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie stellt zwei wichtige Projekte vor.

Viele Menschen haben Angst vor Spritzen. Die Vorstellung, sich aufgrund einer chronischen Erkrankung täglich spritzen zu müssen wie es für Typ-1- und zahlreiche Typ-2-Diabetespatienten zum Alltag gehört, ist für viele Menschen unangenehm. Aber auch für erfahrene Diabetespatienten ist das tägliche Spritzen mitunter eine Belastung. Umso erfreulicher sind Nachrichten über Insulin in Pillenform und die wöchentliche Einmalinjektion.

Zwei Firmen arbeiten an der Entwickelung einer Insulinpille

Der alte Traum vom oralen Insulin könnte demnächst Wirklichkeit werden. Zwei Firmen entwickeln eine Insulinpille: die kleine israelische Firma Oramed mit Sitz in Jerusalem und der Insulin-Gigant Novo Nordisk in Dänemark. Reuters Health Information titelt: "Pharma's David and Goliath in Race to Produce Insulin Pill" (1). Oramed hat offenbar die Nase vorne und rekrutiert bereits Patienten für die Phase II, Novo Nordisk ist noch nicht so weit.

Da der Magen-Darm-Trakt mit seinen proteinspaltenden Enzymen den Eiweißkörper Insulin abbaut, muss es davor möglichst bewahrt werden: Durch schützende Überzüge, molekulare Veränderungen ("tweaks") oder Zusatzstoffe. Zu 100 % geht das nicht, aber wenn man es in sehr großer Dosis schluckt, könnten zumindest etwa 10 % über den Darm aufgenommen werden.

Novo Nordisk scheint eine gegenüber den abbauenden Enzymen stabilere molekulare Form von Insulin gefunden haben, während Oramed einen Protease-Hemmer verwendet und das Molekül so verändert hat, dass es weniger abgebaut, aber auch verstärkt resorbiert werden kann.

Orales Insulin soll beim Typ-2- und Typ-1-Diabetes eingesetzt werden. Oramed hat eben mit seinem Präparat ORMD-0801 eine prospektive, randomisierte doppeltblinde plazebokontrollierte Studie an 25 Typ-1-Diabetespatienten abgeschlossen. Es ergaben sich zwar keine statistisch signifikanten Unterschiede, aber Trends zur Verringerung der injizierten Dosis des rasch wirkenden Insulins, geringere postprandiale Glukosespiegel, eine Abnahme der Tages-Glukosespiegel, erfasst mit kontinuierlicher Glukosemessung, und eine Zunahme postprandialer Hypoglykämien in der Verumgruppe (2).

In Phase I: Insulin zur einmal wöchentlichen Injektion

Eine weitere, interessante Entwicklung ist das Wocheninsulin LAI287 von Novo Nordisk. Dieses befindet sich in Phase I. Gedacht ist es für Typ-1-Diabetespatienten bei oder kurz nach Manifestation, wenn die Bauchspeicheldrüse noch selbst etwas Insulin bilden kann. Das wöchentlich gespritzte Insulin würde dann - in konstanter Dosis injiziert - das Pankreas nur etwas unterstützen. Ein Hauptproblem ist die Sicherheit: Die Patienten dürfen nicht gehäuft unterzuckern, andererseits aber auch nicht mit dem Blutzucker zu stark ansteigen.

Auch beim Wocheninsulin konkurriert eine zweite Firma mit Novo Nordisk: AntriaBio aus Kalifornien mit dem Präparat AB101, welches noch im präklinischen Stadium ist. Analysten stehen dem Wocheninsulin vorsichtig-distanziert gegenüber, sie geben ihm zurzeit nur eine Erfolgschance von 15 % (3).


Literatur:

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)