Jetzt brauchen wir Mut machende Impulse. Buchautor Hans Lauber hat in seiner aktuellen Kolumne fünf fitte Vorschläge.

„Es war, als sei es in der bleiernen Zeit“, schrieb vor über 200 Jahren Friedrich Hölderlin. Es ist, als seien diese Worte des visionären Dichters fürs Heute verfasst, wo wabernde Viren alles mit einem lähmenden Mehltau überziehen. Doch Bange machen bringt uns nicht weiter. Wir brauchen Aufmunterung, um mit frischem Elan neue Hoffnung zu schöpfen. Fünf Ideen für ein besseres Morgen.

Bewegung: Ins Offene

Sicher ist es sinnvoll, sich vor Infektionen zu schützen. Genau so wichtig ist es aber, das eigene Immunsystem zu stärken – und das funktioniert am Besten an der frischen Luft. Viele haben das vernachlässigt – und quälen sich jetzt mit zusätzlichen Pfunden, die einfach nicht verschwinden wollen. Übergewicht ist aber ein wesentlicher Treiber für den Typ-2-Diabetes, weshalb die Pandemie indirekt auch die explosionsartige Ausbreitung des Lifestyle-Diabetes begünstigt.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die regelmäßige Bewegung im Freien sowohl schlank hält, wie auch die eigenen Abwehrkräfte stärkt. Ich schaffe es inzwischen praktisch täglich ein, bis zwei Stunden draußen zu sein, sei es mit schnellen Schritten oder mit Fahrrad – wobei ich bewusst sonnige Strecken wähle, was einen sofort auf neue Gedanken bringt.

Aus Angst vor Ansteckung verzichten darauf viele. Dem lässt sich gut vorbeugen: So habe ich in den letzten Monaten manigfaltige Wege gefunden, wo ich praktisch allein unterwegs bin – und wenn an einer engen Stelle plötzlich Menschen auftauchen, habe ich immer eine Maske dabei.

Eine gewisse Vorsicht geboten ist bei den zwar hochwirksamen, aber nicht ganz einfach zu nutzenden FFP2-Masken, über die der Münchner Infektiologe Dr. med. Christoph Springer laut SZ vom 14. Januar 2021 sagt: „Die Nutzung von FFP2-Masken in der Öffentlichkeit sehe ich sehr kritisch, insbesondere weil sie einen erhöhten Atemwiderstand mit sich bringen und das Tragen ein entsprechendes Training erfordert. Außerdem versprechen die Masken kaum zusätzlichen Schutz“.

Meine Empfehlung, etwa für Joggende: Mit Maske, vor allem mit FFP2, bewusst unterhalb der Belastungsgrenze bleiben!

Da lacht das Herz: Sonnenstrahlen im Schwarzwald

Essen: Eiweiß first

Die Griechen wussten es schon vor vielen tausend Jahren: Bei ihnen heißen die Eiweiße der Nahrung Proteine – und das bedeutet Erster. Ein zutreffender Name. Denn Eiweiß bildet die Grundstruktur der Zellen, ohne „Erster“ gäbe es keinen Blutfarbstoff Hämoglobin, keine Hormone, keine Enzyme – kein Leben.

Aus Aminosäuren bestehen die Proteine – und die wiederum haben spezielle Funktionen im Körper. Für uns ist derzeit vor allem die essenzielle (also vom Körper nicht selbst herstellbare) Aminosäure Lysin interessant, die das Immunsystem stärkt. Besonders viel Lysin enthalten Bierhefe, Petersilie, Sprossen, Weizenkeime, aber auch Hartkäse und Nüsse – und Meeresfische, vor allem der Thunfisch.

Eine wahre Protein-Pille ist die Erbse. Denn die runden Kugeln strotzen vor leicht aufnehmbaren Eiweißen – und haben gleich noch eine gewaltige Ladung Mineralstoffe und Vitamine im Gepäck. Etwa immunschützendes Vitamin E, die für Diabetiker so wichtigen B-Vitamine und immunaktivierendes Zink. Leider ist es so, dass vor allem ältere Menschen zu wenig Eiweiß konsumieren, was ihre Vitalität schmälert. Hier schafft die Erbse preiswert Abhilfe.

Weil Erbsen kaum frisch erhältlich sind, nehme ich gerne Tiefkühlware. Sie ist preiswert und lässt sich leicht zubereiten – mit ein wenig Brühe dünsten und unbedingt mit Majoran würzen. Das würzige Kraut, das wunderbar auf meinem Balkon gedeiht, dämpft mit seinen ätherischen Ölen und sanften Bitterstoffen die nervöse Unruhe, die viele von uns derzeit plagt.

Fleisch und Fisch sind besonders wohl schmeckende und wirksame Quellen für fitte Proteine – und da empfehle ich aus meinem Buch „Schönkost“ ein Rezept von Klaus Neidhart, der mit seinem legendären Gasthaus „Gottfried“ in Moos der beste Fischkoch des Bodensees war – und heute als Eventkoch private Genießer und Firmenkunden begeistert.

Adelt die Erbse: Majoran

Trinken: Biergenuss ohne Reue

Immer mehr Menschen schlägt die aktuelle Seuchen- und Wetterlage aufs Gemüt – und sie bekämpfen ihre leichten Depressionen mit Alkohol. Es ist ja auch zu verführerisch, so im Home-Office ohne jede soziale Kontrolle sich schon morgens einmal einen Schoppen zu gönnen. Nur: Von der Gewöhnung bis zur Sucht ist es meist nur ein kleiner Schritt.

Verhehlen will ich nicht, dass mir solche Mechanismen durchaus vertraut sind. Umso glücklicher bin ich, dass ich schon seit vielen Jahren traditionell im Januar und Februar auf jeglichen Alkohol verzichte – was mir gottseidank sehr leicht fällt. In den ersten Tagen ist das Einschlafen etwas mühsamer, aber das gibt sich schnell – und spätestens Ende Februar darf ich mich regelmäßig bester Leberwerte erfreuen, was hoffentlich auch in diesem Jahr wieder der Fall sein wird.

Nicht alle tun sich mit dem fehlenden „Stoff“ so leicht wie ich – und fragen nach alkoholfreien Alternativen. Da eröffnet die Welle handwerklich gebrauter Craft-Biere plötzlich spannende Perspektiven. Von den über zehn Bieren, die ich kürzlich probiert habe, kann ich zwei wirklich empfehlen: Zum einen das kräftig bittere „Dolden Null“ der Ökobrauerei Riedenburger sowie das zitronig-frische „Liberis“ von der Biermanufaktur Riegele in Augsburg. Zwei mal promillearmer Genuss mit rund 0,4 Prozent Alkohol. Ein Genuss, den ich mir auch gönnen werde, wenn ich gerne wieder zu einem guten Glas Bier oder Wein greife.

Wie sieht es mit alkoholfreien Weinen aus? Da habe ich noch nichts getrunken, was überzeugend ist – und außerdem sind die meisten Tropfen auch noch zu süß. Also Hände weg.

Was ich Ihnen aber wärmstens ans Herz lege, ist der Tee aus den Blättern der mediterranen Zistrose. Der schmeckt nicht nur intensiv, sondern hat auch sanfte antivirale Wirkungen, wobei es sich hier natürlich nicht um ein klassisches Medikament handelt.

Begeisternder Geschmack: „Dolden Null“ und „Liberis“

Wildkräuter: Vitale Heilkraft

Was viele nicht wissen: Auch in der kalten Jahreszeit gedeihen Wildkräuter – und die wilden Pflanzen sind im Gegensatz zu ihren gezüchteten Verwandten wesentlich vitaler. Das liegt daran, dass sie selbst für ihren Schutz sorgen müssen – und dafür Stoffe bilden, die wiederum unserer Gesundheit dienen. So sind Wildpflanzen deutlich bitterer – was insbesondere für Diabetiker ein Segen ist, denn diese Stoffe regen die Produktion des lebenswichtigen Insulins an, das den Blutzuckerspiegel regelt.

Reichlich sekundäre Pflanzenstoffe bilden Wildpflanzen, die aber höchst primäre Wirkungen erzeugen. So ist die gerne als Unkraut geschmähte Brennessel eine gute Quelle von Sitosterolen, welche einer Vergrößerung der Prostata entgegenwirken – und ebenfalls die Insulinproduktion ankurbeln.

Auch als „Liebeszauberin“ wird die brennende Nessel geschätzt, deren Samen der römische Dichter Ovid schon vor über 2000 Jahren in seiner „Ars amatoria“ als das beste Aphrodisiakum der Welt pries. Wer angesichts des nahenden Frühlings schon einmal den erotischen Verlockungen erliegen möchte, pflücke frische Nesseln, püriere sie zusammen mit einem Apfel in Quellwasser, füge Zitronensaft hinzu – und fertig ist ein Zaubertrank, den ich in meinen Büchern „Schwarzwald-Viagra“ genannt habe.

Eine Kraftpflanze wie die Brennessel ist auch die Vogelmiere, die ebenfalls fast ganzjährig vorkommt. Ihre zarten Blättchen schmecken angenehm nussig, weshalb ich sie gerne unter den ebenfalls nussartigen Feldsalat mische. Mit dem gerade jetzt so wichtigen Vitamin C verwöhnt die Vogelmiere, die in der Volksmedizin auch einen starken Auftritt bei Atemwegserkrankungen hat – und das passt ja wunderbar zur aktuellen Situation.

Das Immunsystem virusfit machen

Sicher sind die Wildpflanzen ein wichtiger Baustein zur Stärkung der Abwehrkräfte. Wer aber sein Immunsystem umfassend virusfit machen will, dem empfehle ich meine Kolumne vom November 2020, wo ich mit dem Arzt und Apotheker Dr. med. Siegfried Schlett einen umfangreichen Ratgeber verfasst habe. Den gerade auch von Apothekern viel gelobten Beitrag finden Sie hier.

Sind so zarte Blättchen, sind so stark: Vogelmiere

Seele: Positive Signale

Selten hat ein Thema die Menschen so massiv in Bann gezogen. Alle Medien sind in einer Art Daueralarm, ständig gibt es neue Schreckensmeldungen. Vielen macht das Angst, aber „Angst essen Seele auf“, weiß der Filmemacher Rainer Werner Fassbinder. Auch führt permanente Angst zu Stress – und Stress wiederum schädigt das gerade jetzt so wichtige Immunsystem.

So mache ich es: Ich schaue keine Talkshows, weil schon bei der Teilnehmerliste meist klar ist, was die Einzelnen sagen werden. Auch schaue ich kaum Nachrichten, weil dort naturgemäß mit suggestiven Bildern gearbeitet wird. Ein Beispiel: Wird eine leere Straße gefilmt und darüber ein Text gesprochen, wie viele Menschen in der Stadt am Virus gestorben sind, erzeugen plötzlich leere Straßen Angst.

Natürlich informiere ich mich. Aber ganz klassisch einmal am Tag – und dann wesentlich aus der FAZ, die auch kontroverse Meinungen druckt, etwa am 11. Januar 2021 den renommierten Kölner Soziologen Wolfgang Streeck (nicht verwandt mit dem Virologen) mit seiner diskussionswürdigen These: „Wenn eine Gesellschaft mit Lungenkrebs leben kann, kann sie, wenn sie muss, wohl auch mit Covid 19 leben“. Wobei er darauf hinweist, dass jährlich über 110 000 Menschen an Lungenkrebs und Lungenentzündung sterben.

Besser als die aktuellen Medien frommt der Seele aber der Griff zum guten Buch. Gerne lasse mich von Goethe's „Wilhelm Meister“ ins Reich des Theaters entführen. Gerne träume ich mich voller Vorfreude zu schönen Reisezielen, weshalb ich das wunderbare Buch „Soul of Venedig“ empfehle, was 30 unbekannte (ionata) Erlebnisse schildert – etwa das in der südlichen Lagune liegende Fischrestaurant „Da Celeste“ mit einer Terrasse direkt am Wasser.

Mein Wunsch: Spätestens ab April hat die Serenissima wieder ihre prächtigen Pforten zu öffnen!

Verträumt in verwunschene Gefilde: Venezia ionata



von Hans Lauber
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